Vom Osterhasen

Am Osterabend saß ein Hase

Allein auf einem großen Stein.

Er hatte Tränen auf der Nase

Und fühlte elend sich und klein.

Da kam der Mond und fragte weise,

Ob er nicht helfen kann.

Der kleine Hase stammelte nur leise,

Das keiner ihm  mehr helfen kann.

„Doch sag warum“, so sprach der Mond,

„Denn ich bin sehr, sehr alt und weise.“

„Ach, auch Hasen hat man nicht verschont,

Weil niemand mehr an unsre Gaben  glaubt

Bin ich der Arbeit und des Sinns beraubt!“

Sprach schluchzend da der Hase

Und putzte sich mit seinen Pfötchen

Ganz traurig seine Nase.

„Die Menschen haben keinen Glauben

Und brauchen keine Osterhasen mehr,

Sie schießen Spatzen so wie Tauben

Und auch auf Hasen wartet ein Gewehr.“

„Oh, ich versteh‘“, sprach da der Mond

  Und wurd  ganz rot und rund.

„Die Menschen kennen weder Sinn noch Feier,

Doch dann glaub‘ wenigstens doch Du – mach‘ sie gesund!“

„Wie recht Du hast!“ lächelte das Häschen d‘rauf

Und ging und legte seine Eier. …         

Rolf  Wolfgang Krauss